Samstag, 7. August 2010, 10:58 Uhr
NOLL // Kommentar
Jawohl. – Nicolas S. Chamfort, Maximes et pensées, caractères et anecdotes: „Es gibt eine Schwermut, die gehört der Größe des Geistes zu.“
Samstag, 7. August 2010, 10:14 Uhr
NOLL // Kommentar
Monumentalität und Psychologie. – Georg Lukács: „Wo die Psychologie beginnt, da hört die Monumentalität auf, und Eindeutigkeit ist nichts anderes als ein bescheidener Ausdruck für das Streben nach Monumentalität. Wo die Psychologie beginnt, da gibt es keine Taten mehr, nur Motive der Taten; und, was der Gründe bedarf, was eine Begründung verträgt, das hat schon alle Festigkeit und Eindeutigkeit verloren.“
Samstag, 7. August 2010, 09:47 Uhr
NOLL // 1 Kommentar
Dialoge VIII. – Plautus, Amphitruo, Merkur zum Publikum: „Quid contraxistis frontem? quia Tragoediam Dixi futuram hanc? Deus sum: conmutavero Eamdem hanc, si voltis: faciam, ex Tragoedia Comoedia ut sit: omnibus iisdem versibus – Faciam ut conmista sit Tragicocomoedia.“
Samstag, 7. August 2010, 09:27 Uhr
NOLL // Kommentar
Philosophenwochen IV. – „Der Jargon geleitet zur positiven Lebenseinstellung der Spießbürger aus Heiratsofferten“, so Theodor W. Adorno, „verlängert anspruchsvoller die ungezählten Veranstaltungen, die den Menschen ein Leben, das ihnen sonst widerwärtig würde und dem sie sich auch nicht gewachsen fühlen, schmackhaft machen wollen.“
Samstag, 7. August 2010, 09:24 Uhr
NOLL // Kommentar
Philosophenwochen III. – „Diese absolute Freiheit des Geistes“, weiß Hegel, „die an und für sich in allem, was der Mensch beginnt, von Anfang an getröstet ist, diese Welt der subjektiven Heiterkeit ist es, in welche uns Aristophanes einführt. Ohne ihn gelesen zu haben, lässt sich kaum wissen, wie dem Menschen sauwohl sein kann. - Die Interessen nun, in welchen diese Art der Komödie sich bewegt, brauchen nicht etwa aus den der Sittlichkeit, Religion und Kunst entgegengesetzten Gebieten hergenommen zu sein; im Gegenteil, die alte griechische Komödie hält sich gerade innerhalb dieses objektiven und substantiellen Kreises, aber es ist die subjektive Willkür, die gemeine Torheit und Verkehrtheit, wodurch die Individuen sich Handlungen, die höher hinauswollen, zunichte machen. Und hier bietet sich für Aristophanes ein reicher, glücklicher Stoff teils an den griechischen Göttern, teils an dem atheniensischen Volke dar. Denn die Gestaltung des Göttlichen zur menschlichen Individualität hat an dieser Repräsentation und deren Besonderheit, insofern dieselbe weiter gegen das Partikuläre und Menschliche hin ausgeführt wird, selbst den Gegensatz gegen die Hoheit ihrer Bedeutung und lässt sich als ein leeres Aufspreizen dieser ihr unangemessenen Subjektivität darstellen. Besonders aber liebt es Aristophanes, die Torheiten des Demos, die Tollheiten seiner Redner und Staatsmänner, die Verkehrtheit des Krieges, vor allem aber am unbarmherzigsten die neue Richtung des Euripides in der Tragödie auf die possierlichste und zugleich tiefste Weise dem Gelächter seiner Mitbürger preiszugeben. Die Personen, in denen er diesen Inhalt seiner großartigen Komik verkörpert, macht er in unerschöpflicher Laune gleich von vornherein zu Toren, so daß man sogleich sieht, daß nichts Gescheites herauskommen könne. So den Strepsiades, der zu den Philosophen gehen will, seiner Schulden ledig zu werden; so den Sokrates, der sich zum Lehrer des Strepsiades und seines Sohnes hergibt; so den Bacchus, den er in die Unterwelt hinabsteigen lässt, um wieder einen wahrhaften Tragiker hervorzuholen; ebenso den Kleon, die Weiber, die Griechen, welche die Friedensgöttin aus dem Brunnen ziehen wollen usf. Der Hauptton, der uns aus diesen Darstellungen entgegenklingt, ist das um so unverwüstbarere Zutrauen aller dieser Figuren zu sich selbst, je unfähiger sie sich zur Ausführung dessen zeigen, was sie unternehmen. Die Toren sind so unbefangene Toren, und auch die verständigeren haben gleich solch einen Anstrich des Widerspruchs mit dem, worauf sie sich einlassen, dass sie nun auch diese unbefangene Sicherheit der Subjektivität, es mag kommen und gehen, wie es will, niemals verlieren. Es ist die lachende Seligkeit der olympischen Götter, ihr unbekümmerter Gleichmut, der in die Menschen heimgekehrt und mit allem fertig ist. Dabei zeigt sich Aristophanes nie als ein kahler, schlechter Spötter, sondern er war ein Mann von geistreichster Bildung, der vortrefflichste Bürger, dem es Ernst blieb mit dem Wohle Athens und der sich durchweg als wahrer Patriot bewies. Was sich daher in seinen Komödien in voller Auflösung darstellt, ist, wie ich schon früher sagte, nicht das Göttliche und Sittliche, sondern die durchgängige Verkehrtheit, die sich zu dem Schein dieser substantiellen Mächte aufspreizt, die Gestalt und individuelle Erscheinung, in welcher die eigentliche Sache schon von Hause aus nicht mehr vorhanden ist, so dass sie dem ungeheuchelten Spiele der Subjektivität offen kann bloßgegeben werden. Indem aber Aristophanes den absoluten Widerspruch des wahren Wesens der Götter, des politischen und sittlichen Daseins und der Subjektivität der Bürger und Individuen, welche diesen Gehalt verwirklichen sollen, vorführt, liegt selber in diesem Siege der Subjektivität, aller Einsicht zum Trotz, eines der größten Symptome vom Verderben Griechenlands, und so sind diese Gebilde eines unbefangenen Grundwohlseins in der Tat die letzten großen Resultate, welche aus der Poesie des geistreichen, bildungsvollen, witzigen griechischen Volkes hervorgehen.“
Freitag, 23. Juli 2010, 12:12 Uhr
NOLL // Kommentar
Hamlet und Hegel. – Nochmal Hegel: „Es bleibt dem grausamen Widerspruch ausgesetzt, wenn der Misston des Unglücks in sein Leben hereinklingt, keine Geschicklichkeit, keine Brücke zu haben, sein Herz und die Wirklichkeit zu vermitteln, ebenso die äußeren Verhältnisse von sich abzuwehren, gehalten dagegen zu sein und an sich zu halten. Gerät es in Kollision, weiß es sich nicht zu helfen, geht rasch, besinnungslos zur Tätigkeit heraus oder lässt sich passiv verwickeln. So ist z. B. Hamlet ein schönes, edles Gemüt; nicht innerlich schwach, aber ohne kräftiges Lebensgefühl geht er in der Dumpfheit der Melancholie schwermütig in der Irre umher; er hat eine feine Witterung; kein äußeres Zeichen, kein Grund zum Verdacht ist da, aber ihm ist nicht geheuer, es ist nicht alles, wie es sein soll, er ahnt die ungeheure Tat, die geschehen.“
Freitag, 25. Juni 2010, 20:14 Uhr
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Philosophenwochen II. – Shakespeares Rüpel seien fast durchweg geistreich und voll genialen Humors, bemerkt Hegel; fürwahr ein Koloss. Dann dies: „Wie kommen so geistreiche Individuen dazu, sich mit solcher Tölpelhaftigkeit zu benehmen?“ Fragt er also. Und mir deucht, ich sollmüsste es wissen.
Freitag, 25. Juni 2010, 19:47 Uhr
NOLL // Kommentar
Remember: Freebird. – Bei Ronnie Van Z. und Nachbarn entschuldigen, da ich wiederholt lauthals mitsang: „Ohohohohohhhhh / And this bird you can not change / Lord knows I can’t change...“ Das ist Pathos.
Freitag, 25. Juni 2010, 10:11 Uhr
NOLL // Kommentar
Glück, zwiefaches sogar. – „Wenn es in der Welt ein Werk gibt, das von keinem anderen so gut vollendet werden kann als von dem, der es begonnen hat, so ist es das Werk, an welchem ich arbeite.“ So René Descartes – und ich habe das Glück, gleich zwei solcher Projekte zu haben. (Die ich mal kühn ergreife, mal mühsam wälze.) Sie sind mir geistige Perspektive. (Die ich lange vermisste.) Ich fühle mich wohl.
Donnerstag, 24. Juni 2010, 14:01 Uhr
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Stiller Nachklang. – Während Lena Mey*r-Landrut in Oslo zwitscherte, ereignete sich in Hamburg im Frachtraum der Cap San Diego ein furioses Konzert: Farmers Mar­ket spielte auf. Ein Höhepunkt des Elbjazz-Festivals. Das wird vom 2.-31. Juli im Café Hensel auf St. Pauli fotografisch dokumentiert. Kleiner Nachklang zu einem großen Festival - gemäß Giora Feidman: „Musik beginnt nicht mit dem ersten Ton, sondern mit der Stille davor, und sie endet nicht mit dem letzten Ton, sondern mit dem Klang der Stille danach.“
Mittwoch, 16. Juni 2010, 10:15 Uhr
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Philosophenwochen. – Kant konnte auch lustig: So schrieb er etwa, Faulheit sei „der Hang zur Ruhe ohne vorhergehende Arbeit“. Über Gram wusste er zu melden, er sei „versinkende Traurigkeit, die durch keine Hoffnung gelindert wird“. Zur Sehnsucht konstatierte er: „Der leere Wunsch, die Zeit zwischen dem Begehren und Erwerben des Begehrten vernichten zu können.“ – Größte Obliegenheit eines Philosophen? Konsequenz.
Mittwoch, 16. Juni 2010, 10:06 Uhr
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Gimme back my bullets. – Lynyrd Skynyrd: „Life is so strange when it’s changing, yes indeed / Well I’ve seen the hard times and the pressure’s been on me / But I keep on working like the working man do / And I’ve got my act together, gonna walk all over you / Gimme back my bullets / Put them back where they belong / Ain’t fooling around because I had my fun / Ain’t gonna see no more damage done / Gimme back my bullets / Sweet talking people done ran me out of town / And I drank enough whiskey to float a battleship around / But I’m leaving this game one step ahead of you / And you will not hear me cry because I do not sing the blues / Gimme back my bullets / Been up and down since I turned seventeen / Well I’ve been on top, and then it seems I lost my dream / But I got it back, I’m feeling better everyday / Tell all those pencil pushers, better get out of my way / Gimme back my bullets / Oh put them back where they belong.“
Donnerstag, 10. Juni 2010, 11:27 Uhr
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Bedenken bewahren. – „Bedenkt das Dunkel und die große Kälte / In diesem Tale, das von Jammer schallt.“ Bertolt Brecht, Die Dreigroschenoper.
Donnerstag, 10. Juni 2010, 09:45 Uhr
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Briefe schreiben. – Theodor Wiesengrund Adorno über den Briefschreiber Walter Benjamin: „Im Brief vermag man die Abgeschiedenheit zu verleugnen und gleichwohl der Ferne, Abgeschiedene zu bleiben.“
Sonntag, 6. Juni 2010, 18:42 Uhr
NOLL // Kommentar
Bühnenbilder. – Feine Sache: Elbjazz. – Meinerseits hervorzuheben: Jandl mit Dieter Glawischnig und Dietmar Mues, Fado mit Mariza, Gypsy mit Boulou und Elios Ferré, Bebop mit Anke Helfrich, Chanson mit Lisa Bassenge sowie Musette mit Stian Carstensen und Farmers Market. - Bildlink führt zur virtuellen Gallerie.

Lisa Bassenge, Elbjazz 2010
Montag, 31. Mai 2010, 12:45 Uhr
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Ballad of a thin man. – Because something is happening here, but you don’t know what it is; do you, Mister Jones?Next time you see me coming, you’d better run.
Sonntag, 30. Mai 2010, 23:30 Uhr
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Breaking News. – Lassies trauriges Geheimnis: Der beliebte Fernsehhund hat Haarausfall. (Beliebig zu fetten, betroffen vorzutragen.)
Dienstag, 25. Mai 2010, 14:53 Uhr
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Schrumpfungen. – „Wo ist die Weisheit, die wir im Wissen verloren haben? Wo ist das Wissen, das wir in der Information verloren haben?“ Fragen von T. S. Eliot.