Sonntag, 6. Mai 2012, 10:52 Uhr
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Lurchhausen. – „Diese Verbrecher! Die haben es mir gezeigt! Aber ich bin selber schuld. Warum habe ich mich auf die eingelassen? Wie könnte ich doch heute dastehen ohne diese Bande! Wäre ich nur mit Viktor auf und davon! Ich hätte eine Karriere als anständiger Journalist machen können irgendwo.“ – Hans-Joachim Schädlich, Trivialroman.
Sonntag, 6. Mai 2012, 10:49 Uhr
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Metablogger IL. – „Statt dieser Aufzeichnungen könnte ich ebensogut Briefe schreiben. Da ich aber niemand weiß, an den ich sie richten könnte, so schreibe ich für mich. (...) Denn, wenn ich mein unruhiges, gequältes, von Begierden und Enttäuschungen zerstörtes Bild betrachte: Was bleibt übrig? Was wäre wert, noch einmal gelebt zu werden? Man muss den Schutt wegräumen, Kehrichthaufen der Jahre, den Ballast verwester Gefühle, zerbrochener Beziehungen. Vielleicht wird, was darunter zum Vorschein kommt, wieder ein menschliches Antlitz haben.“ – Walter Hasenclever, ebenda.
Sonntag, 6. Mai 2012, 10:25 Uhr
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Longtail II. – „Die Zeit verging. Nichts rührte sich. Der provisorische Zustand, in dem ich mich befand, erregte meine Neugierde. Ich spürte ein zweites menschliches Bedürfnis, den Wunsch, zu erfahren: Was kommt nun? Zunächst kam gar nichts. Eine langbeinige Spinne kroch ruhevoll über die Mauer. Geduld. Nicht den Verstand verlieren! Die Spinne, auf ihrer langsamen Wanderung, ist über dem Fensterloch angelangt. Dort bleibt sie. Ich habe Sehnsucht nach einem Ereignis. Also zünde ich ein Streichholz an. Und damit es nicht unnütz brennt, rauche ich. So bescheiden wird man...“ – Ebenda.
Sonntag, 6. Mai 2012, 10:09 Uhr
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Longtail. – „Ich. In den drei Buchstaben liegt eine Welt von Verwüstungen, Irrtümern und Leidenschaften.“ – Walter Hasenclever, Irrtum und Leidenschaft.
Donnerstag, 3. Mai 2012, 17:48 Uhr
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Lenchen. – „Und wenn wir wieder von der Einsamkeit reden“, so Rilke, den ich ansonsten nicht sonderlich schätze, an Kappus, „so wird immer klarer, dass das im Grunde nichts ist, was man wählen oder lassen kann. Wir sind einsam. Man kann sich darüber täuschen und tun, als wäre es nicht so. Das ist alles.“ – Aber auch, holdestes Lenchen: „Damit einer dem andern raten oder helfen kann, muss viel geschehen, viel muss gelingen, eine ganze Konstellation von Dingen muss eintreffen, damit es einmal glückt.“
Samstag, 21. April 2012, 12:51 Uhr
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Luzidität. – „Das einzig Schwierige ist, wie üblich, zu kapieren, was die Scheiße eigentlich soll.“ – Bobby Shaftoe. In: Neal Stephenson, Cryptonomicon.
Samstag, 21. April 2012, 09:03 Uhr
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Lakonien. – „Wirst du morgen früh für immer verschwinden?“ - „Nein, wir bleiben für immer zusammen.“ - „Einverstanden.“ – Irmeli zu Taisto. In: Aki Kaurismäki, Ariel.
Montag, 9. April 2012, 12:51 Uhr
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Trübsale III. – „Was willst Du eigentlich von mir?“ - „Ich will nichts, von niemandem. Ich bin Nikander. Früher Metzger, jetzt Müllmann. Zähne kaputt und Magen ist im Arsch und mit der Leber ist auch nicht mehr viel los. Von meinem Kopf will ich erst gar nicht reden. Also vergiss es, bringt nichts.“ – Ebd.
Freitag, 6. April 2012, 19:39 Uhr
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Trübsale II. – „Ich habe das Gefühl, wir lassen es lieber.“ - „Was?“ - „Naja, alles.“ – Ilona zu Nikander. In: Aki Kaurismäki, Varjoja paratiisissa. — Mit dem grandiosen Herrn Pellonpää. — Solche Filme und man weiß alles über das Leben.
Freitag, 6. April 2012, 19:26 Uhr
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Trübsale. – „Einmal debattierte er drei Stunden lang unter glühendheißer Sonne mit einer Eidechse.“ – Andrea Camilleri, Jagdsaison.
Freitag, 30. März 2012, 10:09 Uhr
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Träumerei III. – „Nastenka!“ rief ich endlich, nicht imstande, meine Erregung zu bemeistern. „Nastenka! Sie foltern mich! Sie zerreißen mir das Herz, Sie töten mich, Nastenka! Ich kann nicht länger schweigen! Ich muss endlich reden, muss das aussprechen, was in meinem Herzen siedet...“ Bei diesen Worten erhob ich mich von der Bank. Sie ergriff meine Hand und sah mich erstaunt an. „Was ist Ihnen?“ fragte sie endlich. „Hören Sie mich an!“ sagte ich in entschlossenem Tone. „Hören Sie mich an, Nastenka! Was ich jetzt sagen werde, ist alles Unsinn, alles unmöglich, alles dumm! Ich weiß, dass sich das niemals verwirklichen kann; aber ich kann schlechterdings nicht schweigen.“ – Ebd.
Freitag, 30. März 2012, 09:59 Uhr
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Träumerei II. – „Ach, Nastenka, Nastenka! Wissen Sie wohl, für wie lange Zeit Sie mich mit mir selbst versöhnt haben? Wissen Sie wohl, dass ich jetzt von mir nicht mehr so schlecht denken werde, wie ich das in manchen Augenblicken getan habe? Wissen Sie wohl, dass ich mich vielleicht nicht mehr darüber grämen werde, verbrecherisch und sündhaft in meinem Leben gehandelt zu haben, da ein solches Leben allerdings ein Verbrechen und eine Sünde ist? Und bitte, glauben Sie nicht, dass ich Ihnen etwas übertrieben hätte; ich bitte Sie inständig, das nicht zu glauben, Nastenka. Denn es kommen mir wirklich machmal Augenblicke des tiefsten Grames, der tiefsten Grames, Augenblicke, in denen es mich schon bedünken will, dass ich nie mehr fähig sein werde, ein wahrhaftes Leben zu beginnen, weil ich schon alles richtige Gefühl und Empfinden für das Wahre und Wirkliche verloren zu haben glaube.“ – Ebd.
Freitag, 30. März 2012, 09:51 Uhr
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Träumerei. – „Meine Lebensgeschichte!“ rief ich erschrocken. „Aber wer hat Ihnen gesagt, dass ich eine Lebensgeschichte habe? Ich habe keine Lebensgeschichte...“ – Fjodor Dostojewski, Weiße Nächte.
Samstag, 24. März 2012, 12:50 Uhr
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Triebabfuhr. – „Männer sind eher bereit eine Verletzung zu vergelten als eine Wohltat“, vermutet Tacitus, „denn Dankbarkeit ist eine Last und Rache ein Vergnügen.“ — Dschingis Khan weiß: „Das höchste Glück des Mannes ist, seine Feinde zu zerschlagen, sie vor sich herzujagen, ihnen ihren Besitz zu entreißen, in Tränen die Wesen zu sehen, die ihnen teuer sind, und ihre Frauen und Töchter in seine Arme zu drücken...“
Mittwoch, 29. Februar 2012, 10:40 Uhr
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Colemans. – „Ich möchte nicht, dass du mich lobst, sondern dass du mich kritisierst, so dass ich mich verbessern kann.“ – Denardo Coleman zu seinem Vater Ornette. In: Jazzthing 82.
Sonntag, 26. Februar 2012, 11:00 Uhr
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Stolz. – „Ich glaube jedoch, dass ich mehr Tugend haben werde als die anderen, weil ich mehr Stolz habe. Lobt mich also.“ – Gustave Flaubert, Souvenirs, notes et pensées intimes.
Sonntag, 26. Februar 2012, 10:50 Uhr
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Seligkeit. – „Das ängstigt ihn, und doch muss es so sein; denn wenn die Leidenschaft der Freiheit in ihm erwacht ist - und dieselbe ist in der Wahl erwacht, wie sie sich gleicherweise in der Wahl selber voraussetzt -, dann wählt er sich selber und kämpft um diesen Besitz wie um seine Seligkeit, und es ist seine Seligkeit. Nichts von dem kann er aufgeben, nicht das Schmerzlichste, nicht das Schwerste, und doch ist der Ausdruck für diesen Kampf, für dieses Gewinnen - die Reue. Durch seine Reue kehrt er zu sich selber zurück, zurück zur Familie, zurück zum Geschlecht, bis er sich selber in Gott findet. Nur unter dieser Bedingung kann er sich selber wählen, das ist die einzige Bedingung, die er will, denn nur so kann er sich selber absolut wählen.“ – Søren Kierkegaard, Entweder-Oder.
Sonntag, 26. Februar 2012, 10:41 Uhr
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Sprachwitz. – Der begnadete Peter Glaser: „Wasabi dir gesagt: Es ist scharf!“ – Fein ergänzt von Larissa Becker: „Genitiv ins Wasser, denn es ist Dativ.“
Dienstag, 14. Februar 2012, 17:13 Uhr
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Einsamkeit und Ehrlichkeit. – „Einsamkeit ist keine Option, sie ist ein Fakt.“ – „Die Akzeptanz der eigenen Einsamkeit ist die Voraussetzung, um einen anderen wirklich zu lieben. Wenn wir diese Einsamkeit jemandem zeigen, der sie wiederum sieht und akzeptiert, ohne uns davon abbringen zu wollen, und wenn der andere uns seine Einsamkeit zeigt, das birgt die Chance einer wirklich liebenden Beziehung.“ Also sprach Tilda Swinton; F.A.S., 26.10.2010.
Dienstag, 7. Februar 2012, 10:58 Uhr
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Verdunkelungsgefahr. – „Das meinte ich. Jetzt hast du wirklich gesehen. Bilder oder Wörter können vielleicht einiges beleuchten. Aber irgendwann verstellen sie es auch. Lampenschirme, durch die kein Licht dringt.“ – Ralf Rothmann, Hitze. [Frankfurt am Main 2003. S. 213.]
Donnerstag, 5. Januar 2012, 11:27 Uhr
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Mademoiselle. – „Ich trinke eigentlich fast nie alleine. Meistens sind Würdelosigkeit und Tristesse mit von der Partie.“ – Katja D.